Showcase March-April 2015 - page 45

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MARCH / APRIL 2015 MINNESOTA ORCHESTRA
TEXT AND TRANSLATION:
Das Lied von der Erde
(The Song of the Earth)
Das Trinklied vom
Jammer der Erde
Schon winkt der Wein im gold’nen
Pokale,
Doch trinkt noch nicht, erst sing ich
euch ein Lied!
Das Lied vom Kummer soll auflachend
in die Seele euch klingen.
Wenn der Kummer naht,
liegen wüst die Gärten der Seele,
welkt hin und stirbt die Freude, der
Gesang.
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.
Herr dieses Hauses!
Dein Keller birgt die Fülle des
goldenen Weins!
Hier, diese lange Laute nenn’ ich mein!
Die Laute schlagen und die Gläser
leeren,
das sind die Dinge, die zusammen
passen.
Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit
ist mehr wert, als alle Reiche dieser
Erde!
Dunkel is das Leben, ist der Tod.
Das Firmament blaut ewig und die
Erde
wird lange fest stehen und aufblühn
im Lenz.
Du aber, Mensch, wie lang lebst
denn du?
Nicht hundert Jahre darfst du dich
ergötzen
an all dem morschen Tande dieser Erde!
Seht dort hinab!
Im Mondschein auf den Gräbern hockt
eine wildgespenstische Gestalt—
Ein Aff ist’s!
Hört ihr, wie sein Heulen
Hinausgellt in den süßen Duft des
Lebens!
Jetzt nehm den Wein! Jetzt ist es
Zeit, Genossen!
Leert eure goldnen Becher zu Grund!
Dunkel ist das Leben, ist der Tod!
Der Einsame
im Herbst
Herbstnebel wallen bläulich überm See;
vom Reif bezogen stehen alle Gräser;
man meint’, ein Künstler habe Staub
vom Jade
über die feinen Blüten ausgestreut.
Der süße Duft der Blumen is
verflogen;
ein kalter Wind beugt ihre Stengel
nieder.
The Drinking Song of
Earth’s Sorrow
The wine already beckons from the
golden goblet,
but don’t drink just yet—first, I’ll sing
you a song!
The song of sorrow shall sound outin
laughter in your soul.
When sorrow draws near,
the gardens of the soul lie wasted,
both joy and song wilt
and die.
Dark is life, dark is death.
Master of this house!
Your cellar holds plenty of golden
wine!
Here, this lute shall be mine!
Strumming the lute and draining
glasses,
those are the things that go well
together.
A full goblet of wine at the right time
is worth more than all the riches of
this world!
Dark is life, dark is death.
The firmament is forever blue, and
the earth
Will remain for a long time and
blossom in spring.
But you, Man/Woman, how long will
you live?
Not even for a hundred years are you
allowed to revel
in all the rotten trinkets of this earth!
Look down there!
In the moonlight, on the graves
crouches a wild, ghostly figure—
It’s a monkey!
Listen how the sound of its howls pierces
the sweet fragrance
of life!
Now take the wine! Now is the time,
Comrades!
Drain your golden goblets to the bottom!
Dark is life, dark is death!
The Lonely one in
autumn
Blueish autumn mists hover over the lake;
white frost covers all grasses;
One would think an artist had strewn
jade dust
over the delicate stems.
The sweet fragrance of the flowers
has been blown away;
a cold wind bends their stems down.
Bald werden die verwelkten, goldnen
Blätter
der Lotosblüten auf dem Wasser ziehn.
Mein Herz ist müde. Meine kleine Lampe
erlosch mit Knistern;
es gemahnt mich an den Schlaf.
Ich komm zu dir, traute
Ruhestätte!
Ja, gib mir Ruh, ich hab Erquickung
not!
Ich weine viel in meinen Einsamkeiten.
Der Herbst in meinem Herzen währt
zu lange.
Sonne der Liebe, willst du nie mehr
scheinen,
um meine bittern Tränen mild
aufzutrocknen?
Von der Jugend
Mitten in dem kleinen Teiche
steht ein Pavillon aus grünem
und aus weißem Porzellan.
Wie der Rücken eines Tigers
Wölbt die Brücke sich aus Jade
Zu dem Pavillon hinüber.
In dem Häuschen sitzen Freunde,
schön gekleidet, trinken,
plaudern,
manche schreiben Verse nieder.
Ihre seidnen Ärmel gleiten
rückwärts, ihre seidnen Mützen
hocken lustig tief im Nacken.
Auf des kleinen Teiches stiller
wasserfläche zeigt sich alles
wunderlich im Spiegelbilde.
Alles auf dem Kopfe stehend
in dem Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan;
Wie ein Halbmond steht die Brücke,
umgekehrt der Bogen. Freunde,
schön gekleidet, trinken, plaudern.
Von der Schönheit
Junge Mädchen pflücken Blumen,
pflücken Lotosblumen an dem
Uferrande.
Zwischen Büschen und Blättern
sitzen sie,
sammeln Blüten in den Schoß und
rufen
sich einander Neckereien zu.
Goldne Sonne webt um die
Gestalten,
spiegelt sie im blanken Wasser wider.
Sonne spiegelt ihre schlanken Glieder,
ihre süßen Augen wider,
und der Zephyr hebt mit
Schmeichelkosen das Gewebe
ihrer Ärmel auf, führt den
Zauber
ihrer Wohlgerüche durch die Luft.
Soon the withered golden petals
of lotus flowers will float by on the water.
My heart is weary. My little lamp
has gone out with a hiss;
reminding me of sleep.
I am coming to you, beloved resting
place!
Yes, give me rest—I need to be
refreshed!
I weep a lot in my loneliness.
The autumn in my heart has lasted
too long.
Sun of love, will you never shine
again,
to gently dry my bitter tears?
Youth
In the middle of the small lake
stands a pavilion made of green
and white porcelain.
Like a tiger’s back
the bridge of jade arches
across to the pavilion.
Friends sit in the little house,
beautifully dressed, drinking,
chatting;
some are writing down verses.
Their silk sleeves glide
back, their silk caps
pushed jauntily back on their heads.
On the small lakes’ still
surface, all strange things are shown
as a mirror image.
Everything is turned on its head
in the pavilion made of green
and white porcelain.
Like a half-moon seems the bridge,
its arch inverted. Friends,
beautifully dressed, drinking,
chatting.
beauty
Young girls pick flowers,
pick lotus flowers at the water’s
edge.
They sit among bushes and
leaves,
Gathering blossoms in their laps and
calling
to one another teasingly.
Golden sunlight weaves around the
figures,
mirroring them in the shiny water.
The sun reflects their slender limbs,
their sweet eyes,
and Zephyr lifts with flattering
caresses
the fabric of their sleeves, carrying
the magic
of their fragrances through the air.
apr
10, 11
Text and Translation
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